Empfohlener Beitrag

[Überblick]

Nachdem hier zuerst nur die Beiträge zu einer 50 Themes Challenge geordnet wewrden sollten, habe ich versucht, auch alle anderen kreativen T...

17.09.2025

[40 A Promise]

Wie sollte ich die Challenge hier anders beenden als mit einem Beitrag zu der Geschichte, mit der alles begann?

Der erste Post erfolgte am 24.07.2016. Das Thema war 'Introduction'.

Ich war damals nicht der Meinung, dass ich jemals zu jedem einzelnen Thema der Challenge einen Text schreiben könnte. Wie denn auch bei 50 Stück und ohne Zeitrahmen? Die Challenges davor waren alle immer zeitlich begrenzt gewesen - und wenn nicht, dann hatte ich sie schnell abgebrochen.

Und heute, 9 Jahre und knapp 2 Monate später, setze ich hiermit den letzten Post zu dieser Challenge. Es fühlt sich unwirklich an. Es war manchmal deprimierend, oft sehr lehrreich.

Beginne ich erneut ein Projekt dieses Ausmaßes? Das kann ich nicht sagen. Aber ausschließen möchte ich es auch nicht.


Christopher drückte meine Hand so fest, dass ich nicht wagte sie zu bewegen. Elrica war uns gegenüber eingenickt, weil die letzten Stunden und Tage letztendlich ihren Tribut von ihr forderten.

Durch das winzige Fenster unseres Gefährts konnte man die Stadt unter uns kaum noch erkennen. Irgendwo in ihren vielen Straßen wurde nach mir gesucht, meine Berater wurden festgesetzt, unschuldige Angestellte mussten Bestrafungen fürchten von einer Bande Marodeure, die am Geheimdienst vorbeigearbeitet hatte.

„Sie haben Unterstützer im Palast, oder?“, fragte ich leise.

Es dauerte kurz bis Christopher meinen Gedankenfaden auffing.

„Nur so ist zu erklären, wie sie so schnell und unbemerkt eindringen konnten. Allein unter den Wachen müssen sie ein paar Leute haben.“

„Sie müssen alles hassen, wofür ich stehe.“

Er zog mich näher an ihn heran und ich ließ mich ein Stück weit in seiner Berührung fallen.

„Wäre dein Onkel noch am Leben, wäre es wahrscheinlich nicht anders gekommen – vielleicht an einem anderen Tag.“

Langsam löste er seinen festen Griff und legte mir den Arm um die Schulter, sodass ich mich noch enger an seine Seite kuscheln konnte.

„Manchmal wünsche ich mir, dass Gott einen anderen Plan für mich gehabt hätte. Für uns, besser gesagt. Dann wäre ich noch zu Hause und alles wäre wie immer. Nur dich hätte ich nicht kennengelernt.“

„Was du nicht kennst, kannst du nicht vermissen.“

Ich seufzte als Antwort darauf.

„Es lässt sich nicht mehr ändern, Angelique. Du trägst die Krone und damit die Verantwortung. Und solange du es möchtest, werde ich dich auf deinem Weg begleiten.“

Bei diesen kurzen Sätzen wurde mir ganz warm und ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht. Doch dann fiel mein Blick auf unsere schlummernde Begleitung.

„Was ist mit Elrica?“

„Was soll mit ihr sein?“

„Wir werden bestimmt bald getrennt, also musst du dich wohl für eine von uns entscheiden. Ich dachte immer, du liebst sie.“

„Das tu’ ich auch.“ Mein Lächeln verschwand. „Aber nicht wie du denkst: Für mich ist sie eher eine Schwester, die ich nie hatte. Irgendwie erinnert sie mich an Alec.“ Er ließ die letzte Silbe schweben, als sollte dem Satz noch etwas folgen. Die Sekunden zogen sich unangenehm in die Länge, was mich dazu brachte, mich zu drehen und ihn anzusehen.

„Bin ich anders?“

Der sanfte Ausdruck in seinem Gesicht ließ meinen Puls in die Höhe schnellen.

„Wenn du nicht die Königin wärst und ich nicht ein Sohn von neuem Geld…“

„Ja?“

Sachte strich er mir eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn, wobei seine Fingerspitzen über meine Haut tanzten. Ich beugte mich zu ihm vor.

„Das sind doch nur Träume, nicht besser als Märchen. Wir sind, wer wir sind, weil wir erlebt haben, was wir erlebt haben. Ohne deinen Hintergrund könntest du eine Frau sein, die ich nicht mal mag.“

„Also magst du mich?“, fragte ich mit einem schiefen Grinsen.

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Ich mag dich sogar sehr.“

„Wie eine Schwester?“

Nun spiegelte er mein Grinsen.

„Deine Ehrenwerten Brüder hätten etwas dagegen, wenn ich von einer Schwester so denken würde wie von dir.“

Wir waren uns so nahe und doch wagte ich nicht den nächsten Schritt zu machen. Mir war bewusst, dass wir uns zuvor bereits geküsst hatten. Nur waren das verzweifelte Küsse gewesen, die nichts tun sollten außer ein Kribbeln mildern, das plötzlich aufgetaucht war. In diesem Moment hingegen drehte es sich um etwas viel Intimeres und Schöneres.

„Warst du schon einmal in der Schwebenden Festung?“, fragte ich, um den Augenblick zu erden.

Enttäuschung huschte über Christophers Züge.

„Nein. Ich hatte bisher keinen Grund dazu.“

Ich nickte verhalten. Die wenigsten Personen besuchten die Festung, außer es gab einen besonderen Anlass. Nur war Christopher als zweiter Sohn eines neureichen Industriellen kein Teil der typischen Personengruppen, die dazu eingeladen wurden.

„Vielleicht magst du sie ja. Sie ist etwas angsteinflößend, wenn man sie das erste Mal sieht, aber im Grunde ist sie auch nur ein sehr großes Haus, wenn man so will. Vielleicht ein wenig duster und zugig, aber daran kann man sich gewöhnen. Und dann ist sie ein Heim wie jedes andere.“

Er wiegte den Kopf hin und her. „Ist das so?“

„Möglicherweise setzt bei mir auch schon eine romantische Verklärung ein.“

Das einzige Fenster in unserem Wagen bot leider keinen Blick auf meine alte Heimat, doch wir mussten bald dort sein. Flugwagen mochten recht langsam sein, insbesondere wenn sie schwere Fracht geladen hatten, jedoch war der Weg nicht allzu weit.

„Die Schwebende Festung ist dein Zuhause. Es ist schön, dass du zurückkehren kannst.“

Ich schluckte nach seinen recht neutral vorgebrachten Worten. Die Schwebende Festung war ein Bollwerk, immer beständig, fernab von Schnelllebigkeit und großen Veränderungen. Es war sehr wahrscheinlich, dass dort nahezu alles war wie bei meinem Abschied vor zwei Jahren. Aber ich fühlte mich wie eine ganz andere Frau.

Ich legte ein falsches Lächeln auf. „Es ist zu lange her, dass ich hier war. Wir sollten Brighton zu unserem nächsten Halt machen.“

Christophers Finger zuckten. Doch ehe ich das deuten konnte, grinste er mich schelmisch an.

„Möchtest du dich meiner Familie so gerne vorstellen? Und als was? Als unsere entflohene Königin?" Er legte eine Kunstpause ein, in der ich die Hitze in meine Wangen kriechen spürte. „Oder möchtest du als etwas anderes bei uns aufschlagen?“

Für einen Moment wandte ich den Blick ab und schluckte.

„Wenn es möglich wäre“, begann ich, ehe ich den Kopf schüttelte, „nun, ich… sollten wir Brighton jemals aufsuchen, muss ich mir eine andere Identität zulegen – dabei kannst du mir sicher helfen. Und dann kann ich eine Freundin sein, die du auf deiner Heimreise getroffen hast.“

„Allein?“ Sein Ton war spöttisch, während er sich zu mir beugte. Fast merkte ich nicht, wie ich mich ihm entgegen bewegte.

Er schaute mich ohne eine Spur des Hohns in seinen Zügen. Zurück blieb nur eine ehrliche Verwundbarkeit, die ich noch nie an ihm bemerkt hatte. Vorsichtig schloss er die Distanz zwischen unseren Lippen zu einem Kuss, der nicht mehr als ein Streicheln war.

Mein ganzer Körper kribbelte wie beim ersten Regentropfen an einem heißen Sommertag. Statt fortzufahren, lehnte Christopher seine Stirn an meine und schloss die Augen.

„Wie wäre es, wenn wir einen Schritt nach dem anderen machen? Wir müssen dich erst in Sicherheit wissen und dann verstehen, was überhaupt vorgeht. Und wenn sich alles wieder beruhigt hat, würde ich dich sehr gerne zu meiner Familie bringen, damit du sie kennenlernen kannst. Sofern du das bis dahin noch möchtest.“

Ich konnte ein kurzes Kichern nicht zurückhalten. „Lass es uns so machen.“

„Bis dahin können wir auch überlegen, wie wir das kleine Problem lösen, dass ich deiner nicht würdig bin. Nur Geld, kein Titel. Für jemanden von deinem Stand bin ich doch nicht mehr als ein Streuner.“

Bevor ich antworten konnte, hörte ich Bewegung von der anderen Bank.

„Ich störe euch wohl gerade“, sagte Elrica schläfrig.

„Iwo“, sagte Christopher ohne von mir abzurücken, „wir haben das Wichtigste besprochen.“

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